Winfried Herrmann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Thomas Gambke, Dr. Thomas Keyßner

„Nur mit einer neuen Mobilitätskultur werden wir Mobilität auf Dauer für alle sichern." Das war der Kernsatz des Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann im Rahmen der Verkehrskonferenz im Neuen Plenarsaal im Rathaus in Landshut. Auf Einladung von Dr. Thomas Gambke war Winfried Hermann als Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages nach Landshut gekommen. Bei der Veranstaltung waren auch zahlreiche Mandatsträger und Bürgermeister aus der Region sowie Vertreter von Bund Naturschutz, ADFC, VCD sowie der Bürgerinitiativen „Stop B15neu" anwesend. Diskutiert wurden Alternativen gegenüber den vorwiegend auf den Autoverkehr ausgerichteten Lösungen von Verkehrsproblemen.

Winfried Hermann hob die Notwendigkeit eines umfassenden Verkehrskonzeptes unter Einschluss von Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr, aber auch Fahrrad und Fußgängerverkehr hervor. Ein solches umfassendes Verkehrskonzept, das sich am Mobilitätsinteresse der Bürger und den Transportnotwendigkeiten der Industrie und des Handels orientiere und so nach angepassten, aber auch nachhaltigen Lösungen mit Blick auf den unabdingbaren Klimaschutz setze, fand auch die uneingeschränkte Zustimmung der anwesenden Vertreter der Industrie- und Handelskammern Regensburg und Passau.

Dr. Thomas Keyßner, 2. Bürgermeister und Mitglied im Verkehrssenat der Stadt Landshut, übersetzte in seinem Referat die Aussagen von Hermann auf die Verkehrspolitik in Landshut. Seit Jahrzehnten werde hier Politik ohne Gesamtkonzept gemacht. Das Ergebnis sei oft Flickschusterei. Von der überholten Vorstellung einer »autogerechten Stadt« habe man sich nie wirklich verabschiedet. So müsse man Fußgänger- und Radverkehr nicht nur gleichwertig behandeln, sondern gezielt fördern. Für den Stadtbus-Kunden forderte er weitere, durchgreifende Angebotsverbesserungen. Mit der autoorientierten Politik sei bei den Stadtfahrten in Landshut der Anteil des Autoverkehrs von 48% auf 54% gestiegen. Diesen Trend gelte es umzudrehen. Dass dies gelingen könne, zeige z.B. Freiburg. Dort hat der Autoverkehr - dank eines Verkehrsentwicklungsplans - nur noch einen Anteil von 32% am städtischen Verkehrsaufkommen.

Aufgrund der mit dem Weiterbau der B15neu verbundenen ökologischen, wirtschaftlichen und strukturellen Probleme sprachen sich nahezu alle Diskussionsteilnehmer deutlich gegen den Weiterbau der A93 bzw. der B15neu über die A92 hinaus aus. Keyßner forderte als Sofortmaßnahme eine Ableitung des zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommens für Landshut über die A92 nach München, einer Forderung, der sich auch der anwesende Landrat des Landkreises Landshut, Josef Eppeneder anschloss. „Wenn die B15neu dann einmal vom Tisch ist, können auch ökologisch angepasste und wirtschaftlich darstellbare Umgehungen um Landshut und an anderen Orten angegangen werden", so Keyßner. Der Bundesverkehrsminister und vor allem der örtliche Bundestagesabgeordnete der CSU hatten vor kurzem noch in Landshut recht einseitig die Lösung der Landshuter Verkehrsprobleme durch die B15neu propagiert.

MdB Thomas Gambke wies in seinen Diskussionsbeiträgen auf die Bedeutung des Ausbaus des Schienenverkehrs hin. Er forderte die Aufnahme der Elektrifizierung der Strecke Regensburg - Hof in den vordringlichen Bedarf. Prof. Scherf, Vorsitzender der privaten Ilztalbahn GmbH machte auf das „Entwicklungsland Bayern" aufmerksam: „Die Tschechen ertüchtigen die Strecke von Prag nach Westen: Elektrifizierung, 2-gleisig, über 160 km/h Streckengeschwindigkeit. An der deutschen Grenze spannt man dann eine Diesellock vor den „Schnell"-Zug, der die Wagons dann über eine eingleisige Strecke mit max. 80 km/h weiter nach Westen zieht." Auch er mahnte eine deutliche Erhöhung der 1,2 Mrd. Euro an, die in Bayern jährlich für den Ausbau der Schienennetze zur Verfügung stehen.

 

 

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