Dr. Thomas Keyßner und Winfried Hermann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages

Mobilität in Zeiten des Klimawandels: was zu tun ist

"Nur mit einer neuen Mobilitätskultur werden wir Mobilität auf Dauer für alle sichern", das war der Kernsatz des Vortrages des Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Winfried Hermann bei einer Veranstaltung der Grünen in der Insel am letzten Donnerstagabend.

Auf Einladung von Dr. Thomas Keyßner war Hermann nach Landshut gekommen. Dabei war wegen der Sondersitzung im Bundestag zum Thema Versagen von Klimaanlagen in den Zügen der Bundesbahn sein Kommen nach Landshut in Frage gestellt worden. "Aber ich habe mich entschieden: Ich hatte meine Zusage zu einem Vortrag in Landshut gegeben und so musste ich die Einladung von Frau Slomka zu einem Interview im Heute Journal des ZDF ausschlagen".

In seinem Vortrag unterstrich Hermann die Bedeutung von Mobilität für die Menschen. Diese sicherzustellen bei der Verknappung der Ölvorräte und den Anforderungen zur Nachhaltigkeit im Zuge des Klimawandels sei eine Riesenherausforderung. Das heutige Verkehrssystem sei nicht nachhaltig. Es gelte die Bewegungsfreiheit für alle sowie den freien Warenaustausch dauerhaft zu ermöglichen und zugleich die belastenden Folgen des Verkehrs deutlich zu verringern. Dazu müsse Verkehr mit mehr Effizienz, technischen Innovationen, neuen logistischen Konzepten und der intelligenten Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel gestaltet werden. Beim Auto gehe es nicht nur darum, den Antrieb eines Autos auszutauschen, also Öl durch andere Technologien wie Elektro- oder Hybridantriebe zu ersetzen. Vielmehr werde sich eine neue Mobilitätskultur entwickeln, mit neuen Formen wie der gemeinschaftlichen Nutzung von Verkehrsmitteln, wie Car Sharing oder Miet-(Elektro-) Räder. "Nutzen statt Besitzen" sei das Kennzeichen dieser neuen urbanen Mobilitätskultur. Auch Bus- und Bahnangebote müssen klimafreundlicher und besser werden. Autohersteller müssen sich zu Mobilitätsdienstleistern weiterentwickeln mit integrierten Angeboten für Städte und Ballungsräume dieser Welt. "Mobility made in Germany" sei das neue Schlagwort.

Dr. Thomas Keyßner übersetzte dann in seinem Referat die Aussagen von Hermann auf die Stadtpolitik. Seit Jahrzehnten werde in Landshut eine Verkehrspolitik ohne Gesamtkonzept gemacht. Das Ergebnis sei oft Flickschusterei. Von der überholten Vorstellung einer »autogerechten Stadt« habe man sich nie wirklich verabschiedet. So müsse man Fußgänger- und Radverkehr nicht nur gleichwertig behandeln sondern gezielt fördern. Für den Stadtbuskunden forderte er weitere, durchgreifende Angebotsverbesserungen. Mit der autoorientierten Politik sei bei den Stadtfahrten in Landshut der Anteil des Autoverkehrs von 48% auf 54% gestiegen. Diesen Trend gelte es umzudrehen. Dass dies gelingen könne, zeige z.B. Freiburg, dort hat der Autoverkehr - dank eines Verkehrsentwicklungsplans - nur noch einen Anteil von 32% am städtischen Verkehrsaufkommen. Mit einem Verkehrsleitbild könne es gelingen, die Wohnqualität in den Stadtteilen deutlich zu steigern. Freiburg habe es z.B. geschafft, die alte Kaserne in ein hochattraktives Wohngebiet umzuwandeln. Keyßner: "Bei unserer Kaserne sind wir da leider nicht so weit gekommen. Vor allem die Verkehrserschließung ist überzogen und produziert überflüssige Schleichverkehre. Spielstraßen seien praktisch gar nicht vorgesehen. Warum nur verzichtet man darauf, mit einfachen Mitteln das Wohnumfeld entscheidend zu verbessern?" wunderte sich Keyßner.

Hier gelte es umzusteuern: "Denn die Menschen wollen wieder zurück in die Stadt und wir müssen ihnen hierfür ein attraktives Angebot machen!"

von Dr. Thomas Gambke

 

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