Theresa Schopper, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag und Dr. Thomas Keyßner

„Zusammen werden wir noch besser“

Keyßner: Zusammenführung der Krankenhäuser einziger Weg zur dauerhaften Qualitätssicherung der stationären Versorgung

Zusammen mit Vertretern des städtischen Klinikums, von La.KUMed und mit niedergelassenen Ärzten diskutierten die Landshuter Grünen vergangene Woche im vollbesetzten Bernlochner Clubraum über die Herausforderungen im Gesundheitssystem und die Versorgungssituation in Landshut. Der Einladung waren auch Dietmar Bönsch, Geschäftsführer der Landshuter Klinikum GmbH sowie La.KUMed Vorstandsmitglied Dr. med. Bernhard Zrenner gefolgt.

Theresa Schopper, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, übte dabei zunächst Kritik an der geplanten Gesundheitsreform. Mit der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge seien allein die Versicherten die Lackierten, an den wichtigen Stellschrauben im System werde sich nichts ändern. „Die Gretchenfrage ‚Wie steuern wir im Ausgabenbereich um?' bleibt damit unbeantwortet", so Schopper. Neben einer Unterversorgung auf dem flachen Land gäbe es in den größeren Städten eine deutliche medizinische Überversorgung. Sie machte dies am Beispiel München deutlich. Dort halte man beispielsweise mehr Herzkathetermessplätze vor als in ganz England und ebenso viele Kernspintomografiegeräte wie in Norditalien.

Statistisch gesehen fielen bereits heute 80% der Kosten im Gesundheitswesen für 20% der Patienten im letzten Lebensjahr an. Angesichts des demographischen Faktors und dem damit zu erwartenden weiteren Anstieg der Kosten, forderte die Grüne Landtagsabgeordnete eine schnelle Optimierung der Steuerungsprozesse und eine Weiterentwicklung der Anreizsysteme in der Prävention.

Ein klares Bekenntnis zur kommunalen Trägerschaft des Klinikums gab der Grüne Oberbürgermeisterkandidat Dr. Thomas Keyßner ab. Am Beispiel Stuttgart machte Keyßner deutlich, dass sich Privatisierung nicht lohne. Dort wagte man den „Ausstieg aus der Privatisierung" und wandelte das Krankenhaus wieder in ein kommunales Unternehmen um. Mit Erfolg, seitdem schreibe das Krankenhaus schwarze Zahlen! Das Klinikum Landshut habe sich gut entwickelt. „Das Personal hat sein Scherflein dazu beigetragen. Nun gilt es aber beispielsweise durch flexible Arbeitsmodelle Personal an sich zu binden", so Keyßner. Für das bisherige Scheitern der Zusammenführung des Klinikums und der Kreiskrankenhäuser, insbesondere Achdorf, machte Keyßner vor allem atmosphärische Störungen aus und warb für größere Bereitschaft zu Kooperationsgesprächen. „Schon um die Qualität der stationär medizinischen Versorgung zu halten, kommen wir langfristig nicht darum herum, die Doppelvorhaltungen aufzugeben und einen gemeinsamen Weg zu gehen", so der Grünenpolitiker.

Für eine Zusammenarbeit beider Häuser sprach sich auch Klinikums-Geschäftsführer Dietmar Bönsch aus, er favorisierte eine Holding. Im Stadtgebiet seien überflüssige Doppelvorhaltungen entstanden. „Die beiden Landshuter Häuser sind voll ausgelastet und leistungsstark", betonte der Klinikumsgeschäftsführer, wegen der gesundheitspolitischen Vorgaben sei die Wirtschaftlichkeit dennoch keineswegs gesichert.

Dr. med. Klaus Timmer, Leiter der Schlossklinik Rottenburg sprach von einem gewissen Versorgungsluxus in der Stadt. Das Ziel müsse aber sein, alle Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis bestmöglich zu versorgen.
Einig war man sich im Ziel, einer Abwanderung von Patienten nach Regensburg oder München entgegenzuwirken. Bönsch bestätigte, dass die Nettobilanz derzeit eher ein Abfluss sei. „Nur durch dauerhafte Qualitätssicherung und Spezialisierung statt Doppelvorhaltung können wir diesem Trend entgegenwirken", so Keyßner.
Mit einem Appell des Betriebsratsvorsitzenden des städtischen Klinikum Achim Oberndorfer, die Lohnnebenkosten auch künftig über das Krankenhausfinanzierungsgesetz zu finanzieren, endete die gut 2-stündige Veranstaltung. Oberndorfer sieht eine optimale Versorgung in den Krankenhäusern nicht mehr gewährleistet, da immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit von immer weniger Personal versorgt werden müsse. „Diese Schnelllebigkeit hat unweigerlich Fehler zur Folge", so Armin Oberndorfer.

von Sigi Hagl

 

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